B04
Der Hippocampus ist für die Gedächtnisbildung entscheidend. Dieser ist jedoch besonders anfällig für altersbedingte Degeneration und unterscheidet sich hinsichtlich seiner arteriellen Versorgung zwischen Personen. In unserem Projekt möchten wir herausfinden, wie sich das Vaskularisierungsmuster des Hippocampus auf neuronale Ressourcen, altersbedingte Pathologie und kognitive Fähigkeiten auswirkt.
Gruppenleitung & Gruppenmitglieder

Prof. Dr. Esther Kühn


Prof. Dr. Stefanie Schreiber

Dr. Nadine Diersch

Erelle Fuchs

Dr. Berta Garcia Garcia

Dr. Solveig Henneicke

Christoph Knoll

Jonas Marquardt

Niklas Vockert
Warum liegt der Fokus auf dem medialen Temporallappen?
Im medialen Temporallappen (MTL) befindet sich unter anderem der Hippocampus und der anliegende entorhinale Cortex. Diese beiden Regionen formen einen neuronalen Schaltkreis, welcher maßgeblich an der Formation von Gedächtnisinhalten aber auch räumlicher Orientierung beteiligt ist. Der MTL ist zugleich besonders stark von sowohl normativen als auch pathologischen, altersbedingten Veränderungen betroffen. Die mit der Alzheimer Erkrankung im Zusammenhang stehende Tau Protein Akkumulation im MTL kann, unabhängig von Atrophie oder Beta-Amyloid Akkumulation, ca. 20% der Varianz hinsichtlich der episodischen Gedächtnisleistung bei gesunden, älteren Personen erklären (Maass et al., 2018). Noch ungeklärt ist jedoch, welche “neuronalen Ressourcen” die verbleibenden Unterschiede zwischen Personen erklären können. Als “neuronale Ressource” bezeichnet werden generell Strukturen und/oder Vorgänge im Gehirn (wie z.B. verbesserter Blutfluss, Hirnvolumen, Myelin), welche sich auf die Kognition auswirken können und zwischen Personen variieren.
Ein vielversprechender Faktor: Das hippocampale Vaskularisierungsmuster
Der Hippocampus kann sowohl von der Arteria choroidea anterior als auch von der Arteria cerebri posterior mit Blut versorgt werden, wie pathologische Untersuchungen zeigten (Erdem et al., 1993, Marinkovic et al., 1992). Der Hippocampus mancher Personen wird durch beide Arterien versorgt (erweiterte Versorgung), wohingegen der Hippocampus anderer nur durch eine Arterie (grundlegende Versorgung) versorgt wird, was mithilfe von hochauflösender Bildgebung im lebenden Menschen bestätigt wurde (Perosa et al., 2020; Spallazzi et al., 2019). Eine erweiterte Versorgung wurde mit einigen Vorteilen in Verbindung gebracht, unter anderem verbesserter kognitiver Leistungsfähigkeit und erhöhtes Volumen des Hippocampus (Perosa et al., 2020, Vockert et al., 2021). Die Forschungslage deutet darauf hin, dass die Vaskularisierung des Hippocampus eine Schlüsselrolle bei der altersbedingten Degeneration des MTL, dem kognitiven Abbau sowie der trainingsinduzierten Plastizität spielen könnte. Die zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen sind jedoch unklar.
Die Ziele unseres Projektes
Das Hauptziel unseres Projektes ist die Charakterisierung der “neuronalen Ressourcen”, die dem positiven Effekt einer erweiterten im Vergleich zu einer grundlegenden vaskulären Versorgung des Hippocampus auf die kognitive Leistung zugrunde liegen. Dazu nutzen wir multi-modale bildgebende Verfahren wie Positronen-Emissions-Tomographie, 3 Tesla Magnetresonanztomographie (MRT) und 7 Tesla MRT. Unter anderem wird der Unterschied in der vaskulären Versorgung des Hippocampus auf die Myelinisierung bestimmter kortikaler Schichten im MTL und Volumenunterschiede sowie Unterschieden in der Durchblutung von MTL Arealen erforscht. Zusätzlich betrachten wir die Auswirkung der erweiterten im Vergleich zur grundlegenden Versorgung des Hippocampus auf das individuelle Lernverhalten. Desweiteren untersuchen wir, ob Personen mit einer erweiterten Versorgung im Vergleich zu einer grundlegenden Versorgung mehr von kognitivem Training profitieren. Bisher ist ebenfalls ungeklärt, wie sich das Vaskularisierungsmuster des Hippocampus auf neuronale Ressourcen und die kognitive Leistungsfähigkeit bei jüngeren Personen auswirkt, da in der bisherigen Forschung lediglich der Einfluss des hippocampalen Vaskularisierungsmuster bei älteren Personen untersucht wurde. Im Fokus unserer Forschung stehen die Konzepte Resilienz, Resistenz und neuronale Ressource.
Resilienz, Resistenz und neuronale Ressourcen
Das hippocampale Vaskularisierungsmuster könnte einen Einfluss auf verschiedenste neuronale Ressourcen haben, unter anderem das Volumen verschiedener Strukturen des MTL, das schichtspezifische Myelin, oder aber die Durchblutung von MTL Arealen. Wichtig ist zudem die Unterscheidung der zwei Konzepte Resilienz und Resistenz. Resistenz ist definiert als die Widerstandsfähigkeit gegenüber einer Pathologie (z.B. weniger Tau Proteinablagerungen), wohingegen Resilienz eine Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit im Angesicht des Vorhandenseins einer Pathologie beschreibt. Im Rahmen unseres Projektes möchten wir herausfinden, ob das hippocampale Vaskularisierungsmuster einen Faktor für Resistenz oder Resilienz darstellt.
Hippocampale Vaskularisierungsmuster bei jüngeren & älteren Erwachsenen
Der Einfluss des Vaskularisierungsmusters auf die kognitive Leistungsfähigkeit und neuronale Ressourcen wurde bisher lediglich bei älteren Personen untersucht (Perosa et al., 2020; Vockert et al., 2021). Unser Ziel ist es nun, diese Effekte ebenfalls bei jüngeren Erwachsenen zu erforschen. Der Einfluss auf neuronale Ressourcen im MTL im Hinblick auf das Vaskularisierungsmuster bei Jüngeren soll mithilfe hochauflösender bildgebender Verfahren überprüft werden. Ein Fokus liegt auf der Blutversorgung bestimmter MTL Areale, auf der Myelinisierung bestimmter kortikaler Schichten und funktionellen neuronalen Netzwerken. Außerdem soll eruiert werden, inwieweit sich das hippocampale Vaskularisierungsmuster auf das Gedächtnis auswirkt und wie dieser potentielle Zusammenhang durch neuronale Ressourcen mediiert werden kann. Ähnliche Fragestellungen werden ebenfalls bei älteren Personen erforscht, jedoch wird zusätzlich die altersbedingte Alzheimer-Pathologie (Beta-Amyloid & Tau Protein) mit einbezogen. Dadurch soll herausgefunden werden, ob das hippocampale Vaskulariserungsmuster zu Resistenz (weniger Pathologie bei einer erweiterten Vaskularisierung) oder Resilienz (unveränderte Kognition in Anwesenheit von Pathologie bei einer erweiterten Vaskularisierung) führen kann. Nach zwei Jahren werden bestimmte Erhebungen bei einigen älteren Personen wiederholt, um zu untersuchen, inwieweit sich das hippocampale Vaskularisierungsmuster auf altersbedingte Veränderungen in der Kognition und auf Veränderungen der neuronalen Ressourcen auswirkt.
Hippocampale Vaskularisierungsmuster und traininginduzierte Veränderung
Bei Demenzerkrankten sind häufig die Areale zuerst von neurodegenerativen Veränderungen betroffen, welche maßgeblich für die räumliche Orientierung verantwortlich sind (Braak & Del Tredici, 2015, Coughlan et al., 2018). Darauf stützend, planen wir mit den Proband*innen die Durchführung eines mehrwöchigen räumlichen Orientierungstrainings.
Bisher konnte gezeigt werden, dass ein Fitnesstraining über mehrere Monate sich positiv auf die Durchblutung des Hippocampus und das Gedächtnis bei älteren Personen auswirkt (Maass et al., 2015). Jedoch gab es große Unterschiede zwischen den Personen, welche eventuell durch altersbedingte Pathologie oder das hippocampale Vaskularisierungsmuster erklärt werden könnten. Daher steht unter anderem im Fokus unserer Forschung, wie sich diese Faktoren auf die trainingsinduzierte Plastizität des MTL und auf die kognitive Leistung bei Älteren auswirken. Wir wollen herausfinden, ob eine erweiterte im Vergleich zu einer grundlegenden vaskulären Versorgung des Hippocampus zu größeren kognitiven Verbesserungen durch das Training führt. Diese Erkenntnisse können später genutzt werden, um individuell zugeschnittene Trainings zu entwickeln.
Publikationen des Projektes B04
Segen, V., Belge Bernard, T., Callau Navarro, G., Bahrd, P., Behrenbruch, N., Schumann-Werner, B., Schwarck, S., Garcia-Garcia, B., Barthel, H., Sabri, O., Kreissl, M. C., Duzel, E., Maass, A., & Wolbers, T.
Anne Maass, Berta Garcia-Garcia, Niklas Behrenbruch, Beate Schumann-Werner, Eóin N. Molloy, Svenja Schwarck, Michael Rullmann, Anne Hochkeppler, Larissa Fischer, Anna-Therese Büchel, Jose Bernal, Niklas Vockert, Enise I. Incesoy, Wenzel Glanz, Michaela Butryn, Peter Schulze, Kathrin Baldauf, Andrew W. Stephens, Andreas Schildan, Marianne Patt, Gusalija Behnisch, Barbara Morgado, Hermann Esselmann, Constanze I. Seidenbecher, Björn H. Schott, Jens Wiltfang, Henryk Barthel, Osama Sabri, Michael C. Kreissl and Emrah Düzel
Inga Menze, Jose Bernal, Rogier A. Kievit, Kumar Parijat Tripathi, Timo Kaleck, Renat Yakupov, Slawek Altenstein, Claudia Bartels, Katharina Buerger, Michaela Butryn, Peter Dechent, Michael Ewers, Klaus Fliessbach, Ingo Frommann, Maria Gemenetzi, Wenzel Glanz, Daria Gref, Julian Hellmann-Regen, Stefan Hetzer, Enise I. Incesoy, Daniel Janowitz, Ingo Kiliman, Luca Kleineidam, Marie Theres Kronmüller, Christoph Laske, Debora Melo van Lent, Falk Lüsebrink, Robert Perneczky, Oliver Peters, Lukas Preis, Josef Priller, Boris-Stephan Rauchmann, Ayda Rostamzadeh, Sandra Roeske, Klaus Scheffler, Björn-Hendrik Schott, Anja Schneider, Sebastian Sodenkamp, Annika Spottke, Eike Jakob Spruth, Melina Stark, Stefan Teipel, Michael Wagner, Jens Wiltfang, Frank Jessen, Alfredo Ramirez, Stefanie Schreiber, Emrah Düzel & Gabriel Ziegler
Nat Commun (2026)
Dayana Hayek , Joseph Höpker Fernandes, Niklas Vockert, Berta Garcia‐Garcia, Hendrik Mattern, Niklas Behrenbruch, Larissa Fischer, Avinash Kalyani, Juliane Doehler, Dorothea Hämmerer, Yeo‐Jin Yi, Stefanie
Djoher Nora Abrous, Nicolas Blin, Carl-Johan Boraxbekk, Gwenaelle Catheline, Carlos P Fitzsimons, Markus Hilscher, Maël Lemoine, Luísa V Lopes, Anne Maass, Mats Nilsson, Lars Nyberg, Lene Juel Rasmussen, Miguel Remondes, Magdalena Sauvage, Stefanie Schreiber, Thomas Wolbers
Arndt P, Morton L, Briese M, Lämmlin N, Mattern H, Hasanuzzaman M, Westhues M, Khoshneviszadeh M, Appenzeller S, Gündel D, Toussaint M, Brust P, Kniess T, Oelschlegel A, Goldschmidt J, Meuth S, Müller P, Braun-Dullaeus R, Debska-Vielhaber G, Vielhaber S, Becker A, Dityatev A, Henneicke S, Sendtner M, Dunay I, Schreiber S.
Niklas Philipp Arndt, Stefanie Boewe, Jascha Brüggemann, Berta Garcia-Garcia, Renat Yakupov, Niklas Vockert, Anne Maas, Malte Pfister, Valentina Perosa, Marwa Al Dubai, Robin Jansen, Sven G Meuth, Marc Dörner, Patrick Müller, Solveig Henneicke, Frank Schreiber, Katja Neumann, Hendrik Mattern, Stefanie Schreiber
Niklas Behrenbruch, Svenja Schwarck, Beate Schumann-Werner, Eóin N. Molloy,
Berta Garcia-Garcia, Anne Hochkeppler, Larissa Fischer, Anna-Therese Büchel, Enise I. Incesoy, Jose Bernal, Niklas Vockert, Patrick Müller, Gusalija Behnisch, Bárbara Morgado,
Hermann Esselmann, Constanze I. Seidenbecher, Björn H. Schott, Henryk Barthel, Osama Sabri, Jens Wiltfang, Michael C. Kreissl, Emrah Düzel & Anne Maass
Larissa Fischer, Jenna N. Adams, Eóin N. Molloy, Niklas Vockert, Jennifer Tremblay-Mercier, Jordana Remz, Alexa Pichet Binette, Sylvia Villeneuve, Anne Maass & PREVENT-AD Research Group
Niklas Vockert, Judith Machts, Luca Kleineidam, Aditya Nemali, Hartmut Schütze, Renat Yakupov, Oliver Peters, Daria Gref, Luisa Sophie Schneider, Lukas Preis, Josef Priller, Eike Jakob Spruth, Slawek Altenstein, Anja Schneider, Klaus Fliessbach, Jens Wiltfang, Ayda Rostamzadeh, Wenzel Glanz, Enise I. Incesoy, Stefan Teipel, Ingo Kilimann, Doreen Goerss, Christoph Laske, Matthias H. Munk, Annika Spottke, Nina Roy, Michael T. Heneka, Frederic Brosseron, Michael Wagner, Steffen Wolfsgruber, Laura Dobisch, Peter Dechent, Stefan Hetzer, Klaus Scheffler, Peter Zeidman, Yaakov Stern, Björn H.Schott, Frank Jessen, Emrah Düzel, Anne Maass, Gabriel Ziegler, the DELCODE study group
Corriveau-Lecavalier N., Adams J.N., Fischer L., Molloy E.N., Maass A.
Christoph Knoll, Juliane Doehler, Alicia Northall, Stefanie Schreiber, Johanna Rotta, Hendrik Mattern, Esther Kuehn
Marquardt J, Mohan P, Spiliopoulou M, Glanz W, Butryn M, Kuehn E, Schreiber S, Maass A, Diersch N.
Larissa Fischer, Eóin N Molloy, Alexa Pichet Binette, Niklas Vockert, Jonas Marquardt, Andrea Pacha Pilar, Michael C Kreissl, Jordana Remz, Jennifer Tremblay-Mercier, Judes Poirier , Maria Natasha Rajah, Sylvia Villeneuve, PREVENT-AD Research Group; Anne Maass
Oltmer J, Mattern H, Beck J, Yakupov R, Greenberg SM, Zwanenburg JJ, Arts T, Düzel E, van Veluw SJ, Schreiber S, Perosa V
Lisa Klemm, Esther Kuehn, Avinash Kalyani, Stefanie Schreiber, Christoph Reichert, Elena Azañón
Mahsima Khoshneviszadeh, Solveig Henneicke, Daniel Pirici, Akilashree Senthilnathan, Lorena Morton, Philipp Arndt, Rahul Kaushik, Oula Norman, Jari Jukkola, Ildiko Rita Dunay, Constanze Seidenbecher, Anne Heikkinen, Stefanie Schreiber *, Alexander Dityatev *
Avinash Kalyani, Oliver Contier, Lisa Klemm, Elena Azañon, Stefanie Schreiber, Oliver Speck, Christoph Reichert, Esther Kuehn
A. Nemali, N. Vockert, D. Berron, A. Maas, J. Bernal, R. Yakupov, O. Peters, D. Gref, N. Cosma, L. Preis, J. Priller, E. Spruth, S. Altenstein, A. Lohse, K. Fliessbach, O. Kimmich, I. Vogt, J. Wiltfang, N. Hansen, C. Bartels, G. Ziegler
Niklas Vockert, Judith Machts, Luca Kleineidam, Aditya Nemali, Hartmut Schütze, Renat Yakupov, Oliver Peters, Daria Gref, Luisa Sophie Schneider, Lukas Preis, Josef Priller, Eike Jakob Spruth, Slawek Altenstein, Anja Schneider, Klaus Fliessbach, Jens Wiltfang, Ayda Rostamzadeh, Wenzel Glanz, Enise I. Incesoy, Stefan Teipel, Ingo Kilimann, Doreen Goerss, Christoph Laske, Matthias H. Munk, Annika Spottke, Nina Roy, Michael T. Heneka, Frederic Brosseron, Michael Wagner, Steffen Wolfsgruber, Laura Dobisch, Peter Dechent, Stefan Hetzer, Klaus Scheffler, Peter Zeidman, Yaakov Stern, Björn H.Schott, Frank Jessen, Emrah Düzel, Anne Maass, Gabriel Ziegler, the DELCODE study group