Unsere Gesellschaft erfordert immer schnellere Kommunikation, was insbesondere die Fähigkeit, visuelle Eindrücke parallel zu verarbeiten, herausfordert. Letzteres stellt im Alter ein zunehmendes Problem dar. Dieses Projekt untersucht die kortikalen Mechanismen, die den Grenzen visueller Parallelverarbeitung zugrunde liegen. Hierbei folgen wir der Hypothese, dass die Geschwindigkeit zyklischer Selektionsprozesse im visuellen Kortex diese Grenzen setzten, welche auch von strukturellen Faktoren, wie der intrakortikalen Myelinisiering abhängen. Die parallele Verarbeitung von Objekten und Orten zeigt eine Hemisphärenspezialisierung, welche wir mithilfe von transkranialer Magnetstimulation perturbativ untersuchen wollen. Das parallele Verfolgen von Objekten ist trainierbar, was wir in einer Kohorte von älteren Probanden mit und ohne tau-Pathologie untersuchen wollen.

Gruppenleitung

CRC 1436 member Jens-Max Hopf

Prof. Dr. med. Jens-Max Hopf

SFB 1436 Mitglied Ariel Schoenfeld

Prof. Dr. med. Mircea Ariel Schoenfeld

Prof. Dr. med. Jens-Max Hopf

Jens- Max Hopf is the head of the Cognitive Neurophysiology Group and chair for Cognitive Neurophysiology at the medical faculty of the Otto-von-Guericke University Magdeburg. He is also head of the guest-research group visual attention at the Leibniz Institute for Neurobiology in Magdeburg. His research focuses on mechanism underlying attentional selection in human visual cortex using non-invasive neuroimaging methods, including electromagnetic brain recordings (MEG/EEG) and functional MRI.

Prof. Dr. med. Mircea Ariel Schoenfeld

Ariel Schoenfeld ist Leiter der Abteilung für Experimentelle Neurologie und Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Neurologie und funktionelle Bildgebung an der medizinischen Fakultät der Otto von Guericke Universität Magdeburg, sowie medizinischer Direktor der Kliniken Schmieder Heidelberg. Er befasst sich mit den neuralen Mechanismen der Wahrnehmung und Bewertung visueller Informationen bei gesunden Probanden und Patienten mit Läsionen im zentralen Nervensystem. Im Vordergrund der Forschung stehen grundlagenwissenschafliche, aber auch klinisch-pathologische Aspekte, die mit nicht-invasiven Neuroimaging Verfahren (Strukturelles und funktionelles MRT, sowie zeitlich hochauflösendes EEG und MEG) untersucht werden.

Gruppenmitglieder

Geschwindigkeit der Aufmerksamkeitszuwendung als Limit der Parallelverarbeitung

Unsere zentrale Arbeitshypothese besteht darin, dass mehrere Eigenschaftswerte (z.B. verschiedene Farben) eines Objektes nicht wirklich gleichzeitig attendiert werden können, sondern dass diese einzeln aber schnell wiederkehrend in den Fokus genommen werden, so dass introspektiv der Eindruck der simultanen Verarbeitung entsteht. Im Kern wäre Parallelverarbeitung jedoch ein seriell-zyklischer Prozess, dessen Limit auf die Geschwindigkeit der wiederkehrenden Aufmerksamkeitszuweisung zurückzuführen ist. Es existiert ein klarer Zusammenhang zwischen der Myelinisierung von Neuronen und deren Geschwindigkeit und Präzision Signale zu verarbeiten, woraus sich die Fragestellung nach dem Zusammenhang der kortikalen Myelinisierung und der Effizienz von Parallelverarbeitung ergibt.

Visuelle Aufmerksamkeit

Unter visueller Aufmerksamkeit versteht man die Fähigkeit, auf Details einer visuellen Szene präferiert zu ‚achten’, was ermöglicht diese besser und schneller wahrzunehmen, zu diskriminieren und entsprechende Handlungen auszulösen. Auch ohne direktes Hinsehen (außerhalb des fovealen Sehens), können Details einer Szene präferiert beachtet werden. Dies wird als verdeckte visuelle  Aufmerksamkeit bezeichnet. Zudem kann sich visuelle Aufmerksamkeit auf Objekte, Orte und Merkmale beziehen, was jeweils als objektbasierte, ortsbasierte und merkmalsbasierte Aufmerksamkeit bezeichnet wird.

Object Tracking

Diese Funktion unseres visuellen Systems lässt sich für realistische, dynamische Szenen beobachten. Hierbei können junge gesunde Personen unabhängige Bewegungen von etwa vier Objekten in der Umgebung simultan verfolgen (sog. multiple object tracking). Es gibt Hinweise darauf, dass dies auch für andere visuelle Dimensionen wie Farbe oder Formen zutrifft.

senior man playing puzzle

Ziele unseres Projekts

Das Projekt untersucht die kortikalen Mechanismen und Limitationen der flexiblen Zuweisung von Aufmerksamkeitsressourcen beim simultanen atten-dieren von bewegten Objekten und sich ändernden Merkmalswerten. Dabei wollen wir involvierten Hirnstrukturen beschreiben sowie die Geschwindigkeit zyklischer Aktivierungsmuster als Grundlage von Ressourcenlimits analysieren. Zudem versuchen wir zu verstehen, inwieweit strukturelle Eigenschaften wie die intrakortikale Myelinisierung des Gehirns mit der Effizienz der Parallelver-arbeitung beim  MOT und MFT im Zusammenhang stehen. Das Potential dieser flexiblen kognitiven Ressource für die Vitalisierung des alternden Gehirns soll untersucht werden.

Publikationen des Projektes B05