A07
Wir untersuchen das Potenzial des wachmachenden Neuropeptids Orexin für die Mobilisierung kognitiver Ressourcen. In der ersten Förderperiode konnten wir Relaisneurone zwischen präfrontalen Kortex und Gyrus dentatus (DG) im supramammillären Kern, sowie Mooszellen im Hilus des DG als Ziele für Orexin identifizieren. Nun wollen wir die Mechanismen der orexinergen Modulation dieser Schaltkreiskomponenten aufklären, die Zustandsspezifität und Altersabhängigkeit der Aktivierung kognitiver Ressourcen durch Orexin untersuchen und das Potenzial für eine gezielte Mobilisierung in translational angelegten Paradigmen eruieren.
Gruppenleitung
Prof. Dr. Dr. med. Anne Albrecht
Prof. Dr. Oliver Stork
Prof. Dr. Dr. med. Anne Albrecht
Anne Albrecht hat den Lehrstuhl für Neuroanatomie am Institut für Anatomie der Otto-von-Guericke Universität inne. Ihre Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der funktionellen Neuroanatomie des emotionalen Gedächtnisses und der Stressadaptation. Sie unterrichtet außerdem Medizinstudierenden im 1. und 2. Studienjahr in Anatomie.
Im Focus ihrer wissenschaftlichen Arbeit steht die Untersuchung GABAerger Interneurone und Neuropeptide bei Lernen, Gedächtnisbildung und Stressverarbeitung in Nagermodellen. Um die Rolle von z.B. Orexin in Schaltkreisen der Gedächtnisbildung zu analysieren, nutzt ihre Gruppe neuronales Tracing, hochauflösende Methoden zur Expressionsanalyse (RNAScope, lasergestützte Mikrodissektion & qPCR) sowie virale und pharmakologische Interventionen in Verbindung mit Verhaltensanalysen in Mäusen sowie strukturellen und molekularen Untersuchungen in Zell- und Gewebekulturen.
Prof. Dr. Oliver Stork
Prof. Dr. Oliver Stork is head of the Department of Genetics & Molecular Neurobiology at the Institute of Biology at the Otto von Guericke University Magdeburg. His research is devoted to understanding molecular and cellular mechanisms underlying the formation and specification of emotional memories. His special focus is on the analysis of local circuit processes in the context of the formation of engram cell assemblies in the hippocampus. He will contribute his expertise in the establishment and integrative analysis of rodent models for behavioral and memory research to the CRC.
In addition to the SFB1436, Prof. Stork is a member of the Magdeburg Collaborative Research Center SFB854 and the German Center for Mental Health in Magdeburg, and serves as a spokesperson for various neuroscientific graduate schools, including the IRTG1436 (this program), the CBBS graduate program and the GRK2413 (deputy spokesperson).
Gruppenmitglieder
Lara Chirich Barreira
Dr. Gürsel Caliskan
Rojin Diako
Laleh Rezaee Nazifi
Harini Srinivasan
Dr. Sebastian Stork
Lara Chirich Barreira
Ich bin Doktorandin am Institut für Anatomie. Ich interessiere mich für die Mechanismen, die es der kognitiven Flexibilität ermöglichen, Umweltinformationen in das Lernen und das Gedächtnis zu integrieren. Im Rahmen des A07-Projekts untersuche ich, wie zirkadiane Rhythmen die kognitiven Funktionen modulieren. Ich konzentriere mich darauf, zu erforschen, wie orexinerge Neuronen das Schlaf- und Wachsystem modulieren. Zu diesem Zweck verwende ich zirkadiane Störungen, pharmakologische Instrumente, virale Interventionen, Gedächtnistests und Verhaltensaufgaben.
Dr. Gürsel Caliskan
Ich untersuche Veränderungen auf Zell- und Schaltkreisebene in Tiermodellen von Angst und Furcht durch die Kombination verschiedener Ansätze, einschließlich Elektrophysiologie, Verhalten und Pharmakogenetik (DREADDs). Meine derzeitige Forschung konzentriert sich auf die Identifizierung physiologischer und pathologischer Veränderungen in den Aktivitätsmustern des Hippocampus und deren Beziehung zur Modulation hippocampaler Engramme in Tiermodellen neuropsychiatrischer und neurodegenerativer Störungen. Ich interessiere mich auch für die Auswirkungen der Darmmikrobiota auf die Plastizität und Oszillationen des Hippocampus.
Harini Srinivasan
Seit August 2021 bin ich Doktorandin im SFB 1436 und arbeite im Teilprojekt „Orexinergeic Modulation of Neural Resource“ (A07). Dabei untersuche ich, wie Gedächtnis-Engramme durch den circadianen Rhythmus durch verhaltensbiologische, molekulare und biochemische Techniken moduliert werden. Nach meinem Bachelor-Abschluss in Biotechnologie habe ich an der OVGU einen Master in Integrativen Neurowissenschaften erworben. In meiner Masterarbeit untersuchte ich, wie intrazelluläres Kalzium durch den Neuroplastin-PMCA-Komplex in Hippocampus-Neuronen in vitro reguliert wird.
Dr. Sebastian Stork
Ich bin PostDoc im Labor von Professor Albrecht und habe mich auf das Verhalten von Mäusen und fortgeschrittene Bildgebungstechniken spezialisiert. Ich habe einen Bachelor- und Masterabschluss in Allgemeiner Biologie, wobei beide Abschlussarbeiten auf Zellbildgebung am Institut für Zelluläre Neurowissenschaften basierten. Im Rahmen meiner Promotion habe ich mich mit Lernen und Gedächtnisbildung befasst. Ich habe stereotaktische Injektionen durchgeführt, gefolgt von mehreren Verhaltensexperimenten, und die zugrunde liegenden zellulären Prozesse mittels Immunhistochemie, Ca²⁺-Bildgebung und Elektrophysiologie analysiert.
Was ist die Orexin?
Orexin ist ein kleines Neuropeptid. Es wird in wenigen Zellen im Hypothalamus, unserem Steuerzentrum im Gehirn für autonome Funktionen wie in Schlafen, Essen und Fortpflanzung, produziert. Orexin wirkt dort als der wichtigste Wachmacher. Durch die Verbindung des Hypothalamus mit anderen Hirngebieten wie den Hippokampus und den Präfrontalen Kortex im Stirnlappen kann Orexin darüber hinaus die Gedächtnisbildung und kognitive Flexibilität beeinflussen.
Was ist die gemeinsame Funktion von Hippokampus und Präfrontalem Kortex?
Beide Hirnareale arbeiten eng zusammen um Gedächtnisinhalte abzurufen oder bereits Gelerntes in einem neuen Zusammenhang anzuwenden (kognitive Flexibilität). Während der Hippokampus direkte neuronale Verbindungen zum Präfrontalen Kortex schickt, sind in den „Rückweg“ weitere Zwischenstationen eingeschaltet, wie z.B. das sogenannte supramammilläre Kerngebiet (Vertes, 2015). Auch in diesen Zwischenstationen finden Informationsverarbeitungsprozesse statt (Hashimotondani et al., 2018), aber bisher ist noch nicht geklärt, wie Orexin den Informationsfluss zwischen all diesen Hirnarealen beeinflusst.
Wie wirkt Orexin im Hippokampus und Präfrontalen Kortex?
Hippokampus, supramammiläre Kerngebiete und präfrontalen Kortex bekommen Orexinsignale aus dem Hypothalamus und nehmen diese spezifisch mit Rezeptoren für Orexin auf ihren Zellen wahr. Pharmakologische Studien konnten zeigen, dass diese Stimulation solcher Orexinrezeptoren neuronale Plastizität und Ausbildung eines räumlichen Gedächtnisses unterstützt (Akbari et al., 2010; Dang et al., 2018). Die Stimulation der Orexinrezeptoren kann molekulare Veränderungen in diesen Zellen auslösen und dadurch eine dauerhafte Verknüpfung von Zellen unterstützen. Dies trägt zur Ausbildung einer Art Gedächtnisspur im Gehirn bei.
Die Ziele unseres Projektes
Wir werden untersuchen wie Störungen des Tagesrhythmus den Informationsfluss zwischen Präfrontalem Kortex und Hippokampus beeinflussen und welche Rolle Orexin und seine Rezeptoren dabei spielen. Dabei interessiert uns auch, wie Orexin all jene zellulären und molekularen Prozesse im Hippokampus beeinflusst, die eine Verknüpfung neuronalen Zellen zu Gedächtnisspuren ermöglichen.
Orexin in Schaltkreisen der Kognition
Wir nutzen virale neuronale Tracer um Verbindungen zwischen Präfrontalem Kortex, supramammillären Kernen und Hippokampus darzustellen. Um herauszufinden, ob die miteinander verknüpften Nervenzellen Orexinrezeptoren enthalten, werden diese mit lasergestützter Mikrodissektion isoliert und das mRNA-Profil untersucht. Außerdem nutzen wir die RNAScope-Technik um mit hoher räumlicher Auflösung die Expression von Orexinrezeptoren in den einzelnen Hirngebieten darzustellen.
Orexinwirkung im Hippokampus
Wir werden untersuchen wie sich eine Störung des Tagesrhythmus (gestörter Schlaf, Jetlag) auf Lern- und Gedächtnisprozesse auswirkt und welche Rolle Hippokampus, supramammiläre Kerne und Präfrontaler Kortex bei diesen Prozessen spielen. Auch analysieren wir welchen Effekt eine lokale Reduktion von Orexinrezeptoren auf Lernen und Gedächtnis hat. Dann werden wir testen, wie sich die intranasale Applikation von Orexin und, komplementär dazu, eine Blockade der Orexinrezeptoren auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Bildung von zellulären Gedächtnisspuren im Hippokampus auswirken.
Ein Blick in die Zukunft
Wir erwarten, zusammen mit anderen SFB-Projekten, Einblicke in neuronale Schaltkreise und zelluläre Mechanismen, die dem Abbau kognitiver Fähigkeiten entgegenwirken können. Orexin besitzt dabei großes Potential um nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit nach Störungen des Tagesrhythmus zu verbessen, sondern auch um dem Verlust solcher neuronaler Ressourcen bei Stress oder Alterungsprozessen entgegenzuwirken. Da Orexin als Nasenspray oder Orexinblocker als Schlafmittel auch beim Menschen eingesetzt werden können, können sich damit langfristig neue Therapieansätze für Patientengruppen mit Schlafstörungen, Angsterkrankungen oder verschiedene Formen von Demenzen ergeben.
Publikationen des Projektes A07
Krause GM, Chirich Barreira LM, Albrecht A
Gina Marie Krause, Lara Mariel Chirich Barreira, Anne Albrecht
Armand Blondiaux, Shaobo Jia, Anil Annamneedi, Gürsel Çalışkan, Jana Nebel, Carolina Montenegro-Venegas, Robert C Wykes, Anna Fejtova, Matthew C Walker, Oliver Stork, Eckart D Gundelfinger, Alexander Dityatev, Constanze I Seidenbecher
Gürsel Çalışkan, Yunus E. Demiray, Oliver Stork
Ulrich M, Pollali E, Çalışkan G, Stork O, Albrecht A.
Anne Albrecht, Iris Müller, Aliće Weiglein, Evangelia Pollali, Gürsel Çalışkan, Oliver Stork
Aliće Weiglein, Evelyn Gaffal, Anne Albrecht
Syed Ahsan Raza, Katharina Klinger, Miguel del Ángel, Yunus Emre Demiray, Gürsel Çalışkan, Michael R. Kreutz, Oliver Stork
Ullsperger M, Stork O
Louise Martens, Luisa Herrmann, Lejla Colic, Meng Li, Anni Richter, Gusalija Behnisch, Oliver Stork, Constanze Seidenbecher, Björn H Schott, Martin Waltern, Gregor Laube, Michael R. Kreutz & Anna Karpova